Im Anschluss an die Ausstellung „Königinnen der Merowinger“ (10.11.2012 – 24.2.2013) wurde von Egon Wamers ein kleines Forschungsprojekt initiiert zur hl. Balthilde (ca. 635 – 680), Merowingerkönigin und Klostergründerin von Chelles, und zum hl. Eligius (um 589–660), Hofgoldschmied und Münzmeister der Merowingerkönige Chlothar II. (584 – 629) und Dagobert I. (629 – 639) sowie Bischof von Noyon und Vertrauter von Balthilde. Die jetzt abgeschlossenen Untersuchungen beinhalten

• eine erstmalige deutsche Übersetzung der beiden Viten (Lebensbeschreibungen) sowie der Translation (Umbettung) der Balthilde, angefertigt von Wolfgang Fels;

• die textilkundliche Neuuntersuchung und -analyse des einzigartigen „Hemdes der Balthilde“ durch Textilrestauratorinnen der Abegg-Stiftung in Riggisberg, CH (Anja Bayer, Caroline Vogt, Regula Schorta). Dieses Leinentuch aus dem Reliquienschatz des Klosters ist überaus aufwändig mit einer vielfarbigen Seidenstickerei verziert, die den vermutlich von Eligius gefertigten Pektoralschmuck [Bild] der Königin darstellt. Das Musée municipal Alfred-Bonno in Chelles (Christian Charamond) unterstützte die Arbeiten intensiv.

Hemd der Balthilde

„Hemd der Balthilde“, Ausschnitt mit dem seidengestickten Ornat der Königin. Um 660. Foto Musée municipal Alfred-Bonno, Chelles.

• Von Eligius gefertigt wurde auch der goldene Kelch von Chelles, ein nur in einem exakten Stich von 1653 dokumentierter Abendmahlskelch, der 1794 von Revolutionsschärgen eingeschmolzen wurde. Von diesem Schlüsselobjekt merowingischer Schatzkunst wurde als Gemeinschaftswerk eine fotorealistische digitale 3D-Rekonstruktion angefertigt.

(Beteiligte; die Salzburger Kunsthistorikerin Renate Prochno-Schinkel, der Goldschmied und Restaurator Stephan Patscher vom RGZM, der Archäologe Egon Wamers und schließlich als ausführende Firma ArchimediX GmbH [Ober-Ramstadt]. Sein raffinierter unfigürlicher Edelstein-Dekor stellt ein Sinnbild des Himmlischen Jerusalems und des Tempels Salomos dar.

• Ein kleiner getriebener Silberbecher in einer Privatsammlung, wahrscheinlich in Mainz gefunden, trägt mehrere Zertifizierungsstempel der ersten Hälfte des 7. Jhs., nach denen das Silber vielleicht aus einer Werkstatt des Eligius stammt. Das frühchristliche Bildmotiv, wahrscheinlich im Trierer Raum eingraviert, kennzeichnet den Becher als liturgisches Gefäß, vielleicht zur Aufbewahrung von Salböl für die Taufe oder andere Sakramente.

Silberbecher

Silberbecher aus Mainz mit graviertem Dekor. Frühes 7. Jh. Foto U. Seitz-Gray.

Die umfangreichen wissenschaftlichen Beiträge werden in der Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters 47, 2019 publiziert (Erscheinen: Mitte 2020).

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