konservierung

Die „Konservierungsstraße“ für Eisenobjekte am Archäologischen Museum Frankfurt.

Gegenstände aus Eisen gehören zu den häufigsten Funden auf archäologischen Ausgrabungen. Salze, meist Chloride, die während der Bodenlagerung in die Objekte eingedrungen sind, sorgen allerdings dafür, dass diese Objekte schnell unter atmosphärischem Einfluss zerfallen. Die Salze lösen den Korrosionsprozess aus, der erst mit der vollständigen Umwandlung des metallischen Eisens endet. Dabei durchläuft das Objekt verschiedene Rostphasen, die eine Kristallisation der Eisenverbindungen zur Folge haben. Die dabei entstehende hohe mechanische Belastung kann zu Abplatzungen bis hin zum Totalverlust führen. Die Restaurierung zielt daher darauf ab, den Korrosionszyklus zu unterbrechen. Durch Herauslösen der Chloride gelingt dies meist zuverlässig, wobei neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer Modifizierung bisheriger Verfahren führten. Bei den an unserem Museum eingesetzten Entsalzungsbädern handelt es sich um eine verdünnte Natronlauge, in der das Eisen über einen längeren Zeitraum eingelegt wird. Nach Badwechsel, Neutralisation und Trocknung werden die Funde mechanisch gereinigt. Eine abschließende Tränkung in einer verdünnten Kunstharzlösung gibt ihnen die nötige Stabilität. Nach erfolgter Dokumentation werden die Objekte einzeln oder in Fundzusammenhängen verpackt. Dabei kommen spezielle Folientüten zum Einsatz, in denen die Eisenfunde zusammen mit Feuchtigkeits- und Sauerstoffabsorbern sowie einem Indikator verschweißt werden. Diese Verpackungen garantieren ein stabiles Klima für die weitere Lagerung. Neben dieser routinehaften Bearbeitung der Masse an Eisenfunden gibt es jedoch Objekte, die ein anderes Vorgehen erfordern. Beispielhaft hierfür stehen Erdblöcke, in denen jeweils die Nagelung der Sohlen römischer Schuhe geborgen wurde. Die Schuhe stammen aus Gräbern eines Friedhofes des 3. Jahrhunderts n. Chr. aus Frankfurt am Main-Praunheim.

blockbergungen

Blockbergungen aus dem Gräberfeld in Frankfurt am Main – Praunheim.

Aufgrund der Kleinteiligkeit der Funde – eine Schuhsohle besitzt bis zu vierzig Nägel – war ein Freilegen auf der Grabung nicht möglich. Auch in der Werkstatt ist dies eine zeitaufwändige Aufgabe. Zunächst wurden die Blöcke geröntgt, um ein Bild der Schuhsohlen zu erhalten. Die Erdblöcke wurden schließlich mit Gipsbinden umwickelt und so archiviert. Aber auch die Außergewöhnlichkeit eines Fundkomplexes kann dazu führen, dass Objekte einer speziellen Bearbeitung unterzogen werden. Dies gilt im Fall von vierzig Gegenständen aus Eisen, die aus dem ehemaligen Wassergraben einer Burgstelle in Niederursel geborgen wurden. Aufgrund des sauerstoffarmen Bodenmilieus war das Metall kaum korrodiert. Die Objekte, meist Werkzeuge und Küchenutensilien, sind eindrucksvolle Zeugnisse des 14. Jahrhunderts. Alle werden nicht nur konservatorisch behandelt, sondern auch restauriert. Das heißt, dass jedes einzelne Objekt von anhaftender Korrosion befreit, Fragmente zusammengesetzt, verklebt und wenn nötig ergänzt werden. Herstellungstechnische Besonderheiten und charakteristische Merkmale wie z. B. Schmiedemarken werden für die weitere Erforschung der Stücke dokumentiert.

Thomas Flügen

Geharnischter Handschuh

Ein geharnischter Handschuh aus der Burgstelle in Frankfurt am Main – Niederursel.
Foto: Denkmalamt Frankfurt

 

 

 

 

 

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