Humanismus in Böhmen
Johannes von Saaz und seine Zeit

5. bis 22. Mai 2022

ackermann 2„Der Ackermann und der Tod“ ist das deutsche Prosawerk des böhmischen Stadtschreibers und Humanisten Johannes von Saaz, das er um 1400 verfasst hat. Mit Aufkommen des Druckwesens wurde es einer der ersten großen Erfolge der „Schwarzen Kunst“. Anfang des 20. Jahrhunderts kam es zu seiner Neuentdeckung mit zahllosen Editionen, Kommentaren, Interpretationen und Übertragungen ins moderne Deutsch. Was macht die Faszination des „Ackermann“ sechshundert Jahre nach seinem Entstehen aus? Warum widmet man ihm heute noch Vertonungen und szenische Aufführungen? Es liegt zum einen an der intensiven Prosa dieses frühen neuhochdeutschen Stücks, der man sich kaum entziehen kann. Zum anderen ist es das Thema, das jeden Menschen etwas angeht: das Sterben, der Verlust geliebter Personen, die Unausweichlichkeit des Todes, seine Ungerechtigkeit, Schmerz und Wut angesichts der eigenen Ohnmacht.

Wer ist Johannes von Saaz?

Johannes von Saaz, um 1350 geboren, ist ein böhmischer Gelehrter, der seit 1383 in Saaz als Stadtschreiber belegt ist und danach auch Leiter der örtlichen Lateinschule war. Er gilt als hervorragender Repräsentant des Frühhumanismus. Das verdankt er vor allem seiner philosophischen Dichtung „Der Ackermann aus Böhmen“, dem frühesten neuhochdeutschen Literaturzeugnis. Darin bricht er mit dem mittelalterlichen Menschenbild, das Glückseligkeit nur im Jenseits verspricht, zugunsten der humanistischen Auffassung, dass der Mensch im Mittelpunkt der Welt steht und im irdischen Leben Erfüllung finden kann.

Leben und Tod
Johannes von Saaz behandelt dieses Grundmotiv menschlicher Existenz in Form eines Dialogs zwischen dem Ackermann und dem Tod, der ihm seine junge Frau geraubt hat. Der Hinterbliebene klagte ihn dafür vor Gott an, verlangt von ihm „Genugtuung“. In diesem Streitgespräch geht es jedoch um mehr als um Leid und Trauer oder Einsicht in die Unabwendbarkeit des Todes. Der Ackermann steht für Leben, Wachstum und Ernährung und ist damit der programmatische Gegenspieler des Todes. Das wird an den Argumenten der beiden deutlich, die unterschiedliche Blicke auf die Welt und den Menschen offenbaren.